FULDA Großer Sohn der Stadt

Hochdotiert und meist unverstanden: Franz Erhard Walther feiert 80. Geburtstag

22.07.19 - Franz Erhard Walther lebt nicht mit dem Kopf in den Wolken, er ist Realist. Einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler der Bundesrepublik macht sich keine Illusionen darüber, dass die meisten Menschen Schwierigkeiten haben, seine Werke zu verstehen. Leicht zugängliche Kunst ohne Widerhaken ist seine Sache nicht, Popularität hat ihn nie interessiert. Kurz vor seinem 80. Geburtstag am 22. Juli ist in seinem Atelier am Frauenberg mehr in Bewegung als sonst: Die Vorbereitungen für ein rauschendes Fest sind im Gange. Und viele der Gäste kommen aus der internationalen Kunstszene, in der Walther seit nahezu sechs Jahrzehnten zu Hause ist.

Sichtlich zufrieden mit sich und der ...Fotos: Erich Gutberlet

Eine stromlinienförmige Karriere hat der in Fulda als Bäckersohn geborene Walther gewiss nicht vorzuweisen. An der Werkkunstschule Offenbach wie an der Städelschule versuchte man vergeblich, ihn auf Linie zu bringen, der traditionelle Kunstbegriff langweilte ihn. "Ich fing an, mit Materialien zu experimentieren, mit Papierklebungen und Nesselstoffen. Ich wollte den Malprozess durch einen Materialprozess ersetzen". In Frankfurt wurde er gar zwangsexmatrikuliert, weil man seine Werke als einer deutschen Kunsthoch­schule nicht gemäß einstufte. In seinem Atelier prangt heute die absurde Begründung dieses Rauswurfs im Rahmen an der Wand. Dieser Widerstand habe ihn letztlich gestärkt, sagt er heute, wenngleich er die Ablehnung, die er auch später immer wieder erfuhr, keineswegs leicht wegstecken konnte.

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Nach dem Wechsel an die Akademie in Düsseldorf vertiefte er seine Beschäftigung mit der Interaktion zwischen Werk und dessen "Nutzer". "Diese Vorstellung hat mich ein Leben lang fasziniert: dass zu einem Werk Handlung kommen könnte. Mit der Konsequenz, dass die Handlung selbst Werkcharakter bekommt", sagt er selbst über seine Intention. In seine Objekte aus Stoff soll sich der Betrachter hineinbegeben, eintreten, sich hineinlegen - erst aus dieser Art der Rezeption entsteht seine Kunst. Walther selbst kann den über Jahrzehnte entwickelten Ansatz einleuchtend und überzeugend erklären, doch präsent ist sein Werkbegriff eigentlich nur unter Eingeweihten und in der zeitgenössischen Kunstszene, dem breiten Publikum erschließen sich seine Werke nur schwer.

Verrisse und Schmähungen begleiteten sein Schaffen

Oft ist dieses Unverständnis seiner Kunst gegenüber in Schmähung ausgeartet, Ignoranz und üble Verrisse begleiteten sein Schaffen. Die "Welt" schrieb 1969, zwei Jahre nach Walthers Umzug nach New York: "Wo die Kunst heute hingekommen ist, kann man daran zeigen, dass dem deutschen Künstler Franz Erhard Walther in dem berühmten MoMA ein Sackhüpfen erlaubt wird". Doch mit einiger Verspätung realisierte man auch in seiner Heimat, welches Potential der Künstler Franz Erhard Walther hatte und hat. Mit 32 Jahren wurde er dann als Professor an die Hochschule für bildende Künste in Hamburg berufen. Mittlerweile gilt er unbestritten als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler und erfährt seit langem internationale Anerkennung.

Nach dem Goldenen Löwen der Biennale wollen es viele "schon immer gewusst" haben

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Mit berechtigtem Stolz zeigt er bei unserem Atelierbesuch auf ein Aquarell, das seine Tochter Giorgina 2017 von ihm gemalt hat. Hoch über den Kopf hält er den Goldenen Löwen der Biennale, die wohl höchste Auszeichnung, die ein Künstler zu Lebzeiten bekommen kann. Diese große Anerkennung seiner Arbeit, der die Jury einen "radikalen und komplexen Charakter" attestierte, hat sein Beharren auf der eigenen Ausdrucksform und deren Wert aufs Schönste dokumentiert - zu seiner eigenen Überraschung. Dass die internationale Anerkennung auch frühere Fundamentalkritiker plötzlich zu Bewunderern wandelte, die "es ja schon immer gewusst" haben wollen, nimmt der fast 80-Jährige, dessen Gesicht seine Rhöner Heimat nicht verleugnen kann, mit großer Gelassenheit zur Kenntnis: "Wie viel Opportunismus dabei ist, kann ich nicht beurteilen", sagt er trocken.

In unserem Interview verrät Franz Erhard Walther, welches seiner Werke in Fulda und Umgebung ihm selbst das Liebste ist, wie er den Zugang zu seiner Kunst beschreibt, wie weit die Planungen eines eigenen Museums in seiner Geburtsstadt gediehen sind, deren Realisierung er hoffentlich noch zu Lebzeiten erfährt, und was er sich wünscht. Unsere Redaktion beglückwünscht den Jubilar sehr herzlich zum Geburtstag und hofft auf viele weitere Jahre in guter Gesundheit und voller Schaffenskraft! (Carla Ihle-Becker)+++


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